Das größte Theater in den Sudeten

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Das größte Theater außerhalb Prags entstand als eine Demonstration deutscher Vorherrschaft über der Stadt.

Die Ausrufung der Tschechoslowakei im Oktober 1918 aktivierte den Bürgermeister von Teplice, Dr. Ernst Walther. Er regierte einer Stadt, die zu 90 % Deutsche bewohnten, und mit dem neuen Staat identifizierte er sich in keinster Weise. Zwei Tage nach der offiziellen Entstehung der Republik erklärte er sich praktisch mit der gesamten Stadtelite zur Idee eines unabhängigen Staates namens Deutschböhmen.

Somit war der Herbst 1918 in Teplice schwierig. Tschechen und Deutsche demonstrierten gemeinsam ihre Entschlossenheit, ihre Stadt in „ihren” Staat einzugliedern, die Sokol-Mitglieder von Trnovany marschierten durch die Stadt (ihre Taktik wiederholten sie später nochmals). Die Hoffnungen auf einen Nationalitäten-Staat, ggf. Anschluss zu Deutschland lösten sich am 7. Dezember 1918 auf, als die Stadt die tschechische Armee besetzte. In den Stadtrat wurden Tschechen hinzugewählt, aufgrund der Wahl regierten ihn jedoch selbstverständlich Deutsche, und Dr. Walther blieb auch weiterhin Bürgermeister. Auf der ersten gemeinsamen Sitzung gab Walther resolut bekannt, dass am Rathaus Deutsch als Amtssprache auch weiterhin bestehen bleibt.

Kaum ein Jahr später brannte das Stadttheater ab. Den Ausbau eines neuen Theaters bezeichnete Walther als Priorität und das auch trotz dem, dass die Stadtkasse für den Bau kein Geld hatte. Es ging nämlich weder um Finanzen noch um den tatsächlichen Bedarf an einem Bau eines großzügigen Gebäudes mit 185 Zimmern und 7 Stockwerken; es ging um die Demonstration großer deutscher Kultur und eines Kulturbildes, es ging um einen spektakulären Beweis dessen, welchem Volk Teplice gehört. Dem entsprach auch das Programm, in dem kein tschechisches Werk zum Vorschein kam. Die Dramaturgie, die ausschließlich auf deutsche Theaterstücke gerichtet war, wurde in der Saison 1933 sogar vom Goebbels-Ministerium unterstützt.

Das Theater hat den Bürgermeister im Jahre 1925, also ein Jahr nach Eröffnung, schließlich die Funktion gekostet. Der Bau verteuerte sich gegenüber dem Plan um ein Vielfaches, konkret kostete er anstatt 14 insgesamt 28 Millionen damaliger Kronen (heute etwa eine halbe Milliarde), und Walthers heimische Nationalpartei Deutschlands hat ihn abberufen. Das großartige Theatergebäude ist ein Denkmal nicht nur der Nationalitäten-Kämpfe am Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts, sondern auch eines hartnäckigen Bürgermeisters.

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